Aus dem früher traditionell geprägten einschaligen Backsteinmauerwerk setzte sich seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts mehr und mehr zweischaliges Verblendmauerwerk durch. Bei dieser Außenwandkonstruktion Übernimmt die Innenschale die Aufgaben der Tragkonstruktion, des Wärme- und Schallschutzes, während die Außenschale als Wetterschutz fungiert.
Die beiden unabhängig voneinander stehenden Wandschalen können verschiedene Formate aufweisen, wodurch eine weitgehende Gestaltungsfreiheit in der Außenschale besteht. Die völlige Trennung der beiden Schalen durch eine ausreichend breite Hohlschicht ist der Garant dafür, dass der kapillare Transport des Regenwassers von außen nach innen ausgeschlossen ist.
Fassade aus
Backstein
Hintermauerwerk
Nur Mörtelbrücken in der Hohlschicht können das Prinzip der zweischaligen Bauweise aufheben, wenn sie als Folge unsachgemäßer Bauausführung die beiden Schalen miteinander verbinden. Dieser Gefahr kann am besten damit begegnet werden, dass die Hohlschicht mit einer wasserabweisenden Wärmedämmung ausgestattet wird. Die Wärmedämmung verhindert einerseits, dass partielle Kontaktstellen zwischen den beiden Wandschalen (z. B. durch Mörtelbrücken) entstehen, wodurch Regenwasser von außen nach innen transportiert werden könnte. Sie verhindert aber vor allem, dass aus den Lagerfugen herausgequollener Mörtel herunterfällt und Verstopfungen des Sockels hervorruft.
Dieses Prinzip des Regenschutzes hat sich in den Regionen mit hoher Schlagregenbeanspruchung als sicher und dauerhaft durchgesetzt.
Die Außenschale wird auch als Vorsatzschale, Verblendschale oder auch Verblendmauerwerk bezeichnet, so dass sich der Sammelbegriff Verblendziegel und Verblender einbürgerte. Das nur sich selbst tragende Verblendmauerwerk ist durch Edelstahlanker mit der tragenden Innenschale befestigt.
Zwischen den beiden Wandschalen angeordnete Wärmedämmschichten optimieren den Wärmeschutz.

Eine weitere Besonderheit der zweischaligen Außenwand liegt in ihren unzähligen Ausführungsmöglichkeiten und in der individuellen Gestaltungsvielfalt des Sichtmauerwerks. Während bei der Baustoffwahl für die tragende Innenschale die konstruktiven und wirtschaftlichen Aspekte entscheidend sind, ermöglichen Vormauerziegel und Klinker als Sichtmauerwerk durch ihre Farbvielfalt und ihre Oberflächenstruktur und – Texturen eine fantasievolle Architektur.
Das meist 11,5 cm dicke Verblendmauerwerk hat in der heutigen Backsteinarchitektur neben bauphysikalischen Teilaufgaben insbesondere gestalterische Funktionen zu erfüllen. In Einzelfällen wird die Wahl des Backsteins durch technische Anforderungen, z. B. seiner Druckfestigkeit und Wasseraufnahme, eingeschränkt. Die Entscheidung wird jedoch meist von ästhetischen Gesichtspunkten, wie Farbe und Oberflächenstruktur, abhängig gemacht. Die ästhetische Wirkung von Backsteinfassaden wird durch traditionelle Gestaltungselemente, wie Gesimse, Sohlbänke aus gemauerten Rollschichten und Stürze aus Grenadierschichten, geprägt.